Wurfhügel statt Keller-Punk Drucken
Geschrieben von M. Auer (Solinger Tageblatt)   
Mittwoch, 14. Juli 2010
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Alligator Alex Keusen startet nächste Woche mit Deutschland bei der Jugend-EM in den Niederlanden. 

„Ich hatte nicht unbedingt damit gerechnet, dass ich nominiert werde“, erzählt Alex Keusen. Eigentlich wollte der 14-jährige Solinger die ersten Ferienwochen in den USA verbringen, aber weil sein Name dann doch auf der endgültigen und nur noch 16-köpfigen Team-Liste von Jugend-Nationaltrainer George Bull auftauchte, hat die Familie Keusen ihren Amerika-Trip kurzerhand auf die Herbstferien verschoben. Für Alex wird es ab Freitag ernst: Dann geht es zur heißen Phase der Europameisterschafts-Vorbereitung nach Eindhoven, wo das deutsche Team am Dienstag im ersten Gruppenspiel auf Gastgeber und Titelfavorit Niederlande trifft.

Sichtung in Übersee

Die wichtigste Sichtung für das deutsche EM-Team fand - man höre und staune - in der Dominikanischen Republik statt. „Und da war ich anfangs wirklich schlecht und habe mir meine Statistiken versaut“, erklärt Alex Keusen. Der 14-Jährige ist Pitcher, seine Bälle vom Wurfhügel sollen möglichst so schnell und präzise kommen, dass die gegnerischen Schlagleute sie nicht treffen können. Wenn viele Würfe getroffen werden oder zu ungenau kommen, „versaut“ das die Statistik. Am Ende der Sichtung lief es besser, und schließlich ist Alex Keusen auch ein Linkshänder, den jeder Trainer gern im Team hat. „Linkshänder-Würfe fliegen anders, da müssen sich Schlagleute umstellen“, erklärt er.

Jedenfalls hat es am Ende eben doch für den Sprung in den EM-Kader gereicht, auch wenn Alex Keusen davon ausgeht, dass er in Eindhoven gegen die Top-Teams nicht von Beginn an wirft. Das deutsche Team hatte nicht gerade Glück mit der Auslosung, denn in der Gruppe 1 gibt es mit Italien noch einen weiteren Titelfavoriten und mit Belgien nur einen Außenseiter. „Vielleicht starte ich gegen Belgien“, glaubt der Theodor-Heuss-Schüler, der seine Rolle im Team sonst eher als „Closer“ sieht. Der „Closer“ löst den ersten Pitcher in der Endphase des Spiels auf dem Wurfhügel ab, wenn dessen Arm müde zu werden beginnt. Die deutsche Jugend-Nationalmannschaft reist mit dem Ziel in die Niederlande, eine Medaille zu erbeuten. Um ins Halbfinale einzuziehen, muss mindestens einer der beiden starken Gegner - Italien oder die Gastgeber - in der Vorrunde geschlagen werden.

Medaille als Trostpflaster

„Ich glaube, wir können das schaffen, wir spielen gut zusammen und haben schon richtig gute Testspiele abgeliefert“, sagt Alex Keusen, der mit acht Jahren bei den Alligators in die Fußstapfen seines deutlich älteren Bruders getreten ist. Als Zehnjähriger wurde er bereits Deutscher Vizemeister mit den Alligators-Schülern, seit 2007 spielt er regelmäßig in der NRW-Auswahl. Seitdem ist das Hobby Baseball immer intensiver geworden, auch zeitintensiver. Und damit ist die Leidenschaft Musik etwas auf der Strecke geblieben. Aus seiner Kellerband „Brainless“, die vor allem Punk spielt, musste Bassist Alex Keusen irgendwann aussteigen. „Inzwischen haben sie schon Auftritte, da beneide ich die Jungs“, gibt der 14-Jährige offen zu. Eine Medaille am 24. Juli in Eindhoven wäre genau das richtige Trostpflaster.

 
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