Die alte Alligators-Liebe Drucken
Geschrieben von T. Rademacher (Solinger Morgenpost)   
Montag, 03. August 2009

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Sie waren am Boden. Im Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft verloren die Alligators das erste Spiel, obwohl sie taktisch alle Weichen auf Sieg gestellt hatten. Doch im zweiten Duell bei den Heidenheim Heideköpfen folgte völlig überraschend die Wieder-Auferstehung der Solinger Baseballer.

Die mitgereisten Anhänger der Alligators mochten schon gar nicht mehr hinsehen. Im ersten so wichtigen Halbfinalspiel bei den Heidenheim Heideköpfen wollte den Solinger Baseballern einfach gar nichts gelingen. Dabei hatte Andy Fleischacker alles auf diese Partie gesetzt. Mit Enorbel Marquez Ramirez setzte der Trainer seinen besten Werfer ein, um in der Best-of-Five-Serie (drei Siege zum Weiterkommen nötig) den ersten richtungsweisenden Punkt zu holen. Doch die Rechnung ging nicht auf. Weil die Alligators in beinahe allen Belangen enttäuschten, verlor die Truppe gegen stark agierende Heidenheimer.

Mit dem Rücken zur Wand mussten die Mannschaft nun auf ihre Chance im zweiten Duell hoffen. Ein potenzieller 0:2-Rückstand in der Serie weckte Erinnerungen an die mageren Saisons 2007 und 2008, in denen damit stets das Ausscheiden im Halbfinale indiziert wurde. Die Körpersprache der Alligators sprach Bände. Mit Dustin Bergman stand den Solingern einer der besten Werfer der Bundesliga gegenüber - ein ehemaliger US-Profi, der in Deutschland für die Heideköpfe noch kein Spiel verloren hatte.

Doch dann entdeckte das Team sie wieder: die alte Alligators-Liebe zur Rolle des Außenseiters. Zunächst schwenkte nur Jens Cornelsen die Solinger Fahnen. Der Werfer behielt von Anfang an die Nerven, und setzte die gegnerischen Schlagleute mit guten und vor allem präzisen Würfen unter Druck. In fünf Durchgängen hielt der Pitcher die starken Heidenheimer bei lediglich zwei Punkten und gab seiner Mannschaft damit die Möglichkeit zum Sieg.

Die erwachte, nachdem sie zunächst zum 2:2 ausgeglichen hatte, im sechsten Abschnitt endgültig. Sehenswert waren dabei jedoch nicht einzelne tolle Schläge, sondern viele kleine Dinge, die den Alligators im ersten Spiel gar nicht gelungen waren. Fleischacker spielte taktischen Baseball. Nachdem Ernie Nsien geduldig geblieben war und auf Grund zu vieler Fehlwürfe Bergmans die erste Base erreicht hatte, setzte der Coach erneut auf einen Bunt - also einen kurzen nur vom Schläger abtropfenden Ball, der vor allem dazu dient, den Läufer auf der ersten Base zu bewegen. Dustin Hughes löste die Aufgabe hervorragend. Einem etwas glücklichen Schlag von Patrick Kanthak folgte der große Auftritt von Robin Drache.

Der Schwung des 18-Jährigen brachte Nsien zum 3:2 nach Hause. Julian Steinberg opferte sich danach mit einem weiteren Bunt - diesmal ein so genannter „Suicide Squeeze.“ Das seltene Manöver dient dazu, den Läufer auf der dritten Base, in diesem Fall Kanthak, nach Hause zu bewegen. Weil Kanthak sich darauf verlassen muss, dass Steinberg den Ball ins Spiel bringt, läuft er dem Namen der Aktion nach in seinen „Selbstmord“. Steinberg behielt aber die Nerven und krönte damit seine starke Vorstellung im zweiten Spiel.

 
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